Ein Bier für Saint Germain

Wie der Zufall aus meinem Leben verschwand

Leseprobe aus dem Buch „Wie der Zufall aus meinem Leben verschwand“

Kapitel 15. Ein Bier für Saint Germain

„Während ich bei anderen Meistern manchmal noch in Hab-Acht-Stellung war, wenn ich ihnen meinen Körper überließ, sie genau beobachtete und das, was sie sagten und taten, aufmerksam mit dem Herzen  überprüfte, hatte St. Germain bei mir fast Narrenfreiheit. Er war mir – woher auch immer – so vertraut wie ein alter Freund, daß ich ihn viel entspannter gewähren ließ als andere Meister und er fast machen konnte, was er wollte, während ich seine Channelings meistens interessiert und amüsiert genoß.

Eines Tages sprach St. Germain in einem Seminar von einem seiner früheren Leben. Genüßlich beschrieb er, wie er in der linken Hand ein gefülltes Horn mit Met, in der rechten Hand eine über einem Lagerfeuer gebratene Hammelkeule hielt, und er betonte, wie sehr ihm dieses, ich glaube, mittelalterliche Leben gefallen habe. Innerlich zeigte er mir ein sehr detailliertes Bild: Mit einer Augenklappe, in einer verwegenen, doch keinesfalls zerlumpten Aufmachung und auf seinem Kopf einen Hut mit einer Feder sah er wie ein Straßenräuber aus. Er schien wirklich sehr viel Spaß gehabt zu haben dort am Lagerfeuer. Jeder Seminarteilnehmer fing die Stimmung dieses Bildes auf, und ein Schmunzeln machte sich im Raum breit. Er hätte dieses Leben geliebt, meinte er, und ob wir überhaupt wüßten, wie schön es sei, in einer dreidimensionalen Welt in einem Körper zu leben und ein schönes Bier zu trinken, und wie sehr er es schätzen würde, wieder einmal in einem Körper ein Bier trinken zu können, zum Beispiel durch mich.

Dieses Bild und seine Schwärmerei für Bier wiederholte er in so vielen Kursen, daß die Teilnehmer schon anfingen, mir Bier für St. Germain mitzubringen. Ein Teilnehmer brachte mir einmal ein Malzbier mit, da er von meiner Aversion gegen Alkohol im allgemeinen und gegen Bier im besonderen wußte. Ein anderer hatte sogar einen Bierkrug dabei – als Geschenk für St. Germain!

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Irgendwann dachte ich, daß ich dem armen St. Germain zuliebe wohl doch einmal ein Bier herunterkriegen müßte, da eres doch offensichtlich so sehr vermißte. Meine Güte, daß er als Meister sich jederzeit eine ganze Brauerei und einen eigenen Körper hätte materialisieren können, auf den Gedanken kam ich überhaupt nicht!

Aber der eigentliche Zweck dieses Bildes war sowieso, mein vertrautes Weltbild durcheinanderzubringen. Es war gemein! Jedesmal, wenn er wieder mit Bier und diesem Leben anfing, sträubten sich mir innerlich die Nackenhaare. In diesem Bild war alles enthalten, was mich damals auf die Palme brachte: Wie jemand in einem irgendwie unordentlichen und auf gar keinen Fall spirituellen Ambiente Alkohol trinkt, Fleisch ißt, insbesondere Hammel, was ich erst recht nicht  ausstehen konnte, und sich zu allem Überfluß auch noch so verhält, als hätte er alle Zeit und vor allem alles Recht der Welt, sein Leben einfach zu genießen und sich augenscheinlich nicht nur nicht für die Rettung der Erde einzusetzen, sondern seinen Lebensunterhalt vielleicht sogar mit einer mehr als zweifelhaften Beschäftigung zu bestreiten, wie ich befürchtete. Alle Verurteilungen und Begrenzungen, die ich so hatte, waren in diesem einen Bild aktiviert – und immer und immer wieder zeigte St. Germain es mir.
Nach einiger Zeit kamen die Aufgestiegenen Meister auf den Punkt. Ganz unschuldig baten sie mich, wieder Fleisch zu essen, und das, obwohl ich seit mehreren Jahren strenge Vegetarierin war. Diese Anfrage war, gelinde gesagt, eine Zumutung für mich!

Ich hatte mich während der vegetarischen Jahre wohl auch etwas künstlich in einen regelrechten Fleischekel hineingesteigert. Schweinebraten, den ich als Jugendliche noch heiß und innig liebte (vor allem die krosse Kruste), fand ich jetzt furchtbar eklig, und ich konnte nicht mehr verstehen, daß ich das überhaupt jemals gern gegessen haben konnte. Und wie konnten andere es bloß fertigbringen, ein totes Tier, sprich Aas, zu essen?

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Die Meister sagten jedoch: „Kein Fleisch zu essen, ist völlig in Ordnung, wenn du es mit der richtigen Haltung tust, oder eben nicht tust.“ Sie erwähnten sogenannte „Möchtegernvegetarier“ – und meinten wohlmöglich mich –, die sich vegetarisch ernähren, weil sie der Illusion des Todes erlegen seien und sie selbst Angst vor dem Tod hätten und glaubten, daß ein Tier oder irgendein anderes Lebewesen wirklich sterben könne. Und wenn ich schon an den Tod glaubte, solle ich bedenken, meinten sie, daß eine Paprikaschote oder ein Blumenkohl genauso wie eine Kuh oder ein Huhn auf einer äußerlichen Ebene getötet werden könne und eine Art Todesschrei ausstoße, nur daß dieser für unsere menschlichen Ohren nicht so laut und auffällig sei wie bei den Tieren.

Immer wieder versuchten sie mir einzuschärfen, daß es aus all diesen Gründen nicht so wichtig sei, was gegessen, sondern wie etwas gegessen wird: hastig, schlecht gelaunt und unachtsam oder genußvoll mit Liebe, Dankbarkeit und Achtung vor dem Nahrungsmittel, das ich mir einverleibe. Und daß es letztendlich wichtig sei, wie Nahrung aufgewachsen, geerntet oder gestorben sei und wie sie während der Zubereitung und des Verzehrs behandelt würde. Tiere könnten dabei genauso mißhandelt, ausgenutzt und gequält werden wie Pflanzen und andere Nahrungsmittel.

Bei jeder sich passenden Gelegenheit brachten sie diese Logik an, und allmählich zeigte diese Dauerberieselung Wirkung und meine Widerstände bröckelten so vor sich hin. Mit der Zeit schwenkte ich auf die Logik der Meister um und sah es auch ein, daß es nicht für jeden gut, gesund oder richtig ist, auf Fleisch zu verzichten. Ich fühlte einfach, daß die Meister die Wahrheit sagten.

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Doch die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis war alles andere als angenehm. Es war hart für mich, das erste Mal seit Jahren wieder Fleisch zu essen. Ich bestellte in der Kantine einer großen Möbelkette Roastbeef mit Bratkartoffeln und Remoulade – und es war schrecklich! Ich dachte, ich beiße in den Schenkel einer lebenden Kuh oder eines Elchs!

Die ersten Male mußte ich mich regelrecht überwinden, und ich kann nicht gerade behaupten, daß es mir sonderlich gut geschmeckt hat.

Mit der Zeit verstand ich, weshalb die Meister mir diese Aufgabe gegeben hatten. Ich hatte Dogmen bezüglich vegetarischer Ernährung aufgebaut, und diese galt es wieder aufzulösen. Ich verurteilte Menschen, die Fleisch aßen, und hatte keine gute Meinung von ihnen. Eigentlich wollte ich der Erde durch mein vehementes Eintreten für vegetarische Ernährung ja etwas Gutes tun. Doch gerade meine Verurteilungen schadeten mir und der Erde mehr, als es das angeblich „richtige“ Essen bzw. NichtEssen von Fleisch jemals getan hätte. Diese Zusammenhänge mußte ich erst einmal verdauen.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich mit dem “Fleischthema” durch war. Zumal ich natürlich ausgerechnet in dieser Zeit viele Vegetarier und Antialkoholiker in meinen Kursen hatte, die ich aufgrund meiner eigenen Begrenzungen angezogen hatte. Denen standen die Haare zu Berge, als ich die Botschaften der Meister durchgab, und das verstand ich durchaus, weil auch ich bisweilen erschauerte, wenn ich die provozierenden Botschaften der Meister channelte.

Meinen Durchbruch hatte ich, als ich bereit war, Spiegeleier mit Speck zu essen. Speck war für mich wirklich die Krönung des Ganzen. Soviel weißes, ekliges, ungesundes Fett. Sogar vor meiner Vegetarierzeit hatte ich es immer peinlich genau weggeschnitten. Nach einiger Zeit und etlichen Portionen sah ich die ganze Sache schon gelassener. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, jetzt vielleicht sämtlichen Speck, den ich jemals weggeschnitten hatte, essen zu müssen, um all das Negative, was ich jemals über Fleischesser gedacht hatte, wiedergutzumachen. Ich war jedenfalls wild entschlossen, allen Speck der Welt zu essen, wenn es nötig sein würde, bevor ich wegen solch einer Lappalie noch einmal auf die Erde zurückkommen mußte.

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Unglaublich, aber wahr, dies war damals mein Hauptbeweggrund: Ich haßte mein Leben auf der Erde so sehr, daß ich mir nichts Schlimmeres vorstellen konnte, als noch einmal wiederkommen zu müssen. Ich erinnerte mich so sehr an andere Welten und Heimaten, daß ich es als Zumutung empfand, auf einem solch rückständigen Planeten wie der Erde gelandet zu sein. Ich wußte zum Beispiel einfach, daß man auch leben konnte, ohne essen und trinken zu müssen, und fand es irritierend und eine enorme Zeitverschwendung, mich mit solch banalen Dingen wie kochen, Wäsche waschen, einkaufen gehen, abwaschen, schlafen, duschen, auf die Toilette gehen usw. abgeben zu müssen. Mit Handys und Computern erging es mir nicht anders. Ich fand es albern und unmöglich, mich mit solch antiquierten Geräten, die mir unter anderem noch nicht einmal antworteten, wenn ich mit ihnen redete, geschweige denn auf meine Gedanken reagierten, beschäftigen zu müssen. Ich habe mich viele Jahre geweigert, mich mit ihnen vertraut zu machen, bis mir die Meister auch in diesem Punkt auf die Sprünge halfen, indem sie zum Beispiel phasenweise nur noch dann mit mir
redeten, wenn ich ihre Botschaften in mein Laptop eintippte. Was mein Vegetarierdasein anging, fand ich – Wunder über Wunder – allmählich sogar Gefallen an einigen Fleischgerichten. Es fing an, mir wirklich zu schmecken. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war das Vegetarier-Thema erledigt, und die Meister stellten es mir nun frei, weiterhin Fleisch zu essen oder nicht. Denn wie sie meinten, kann Fleischessen aus den verschiedensten Gründen für manche Menschen zeitweise wirklich nicht harmonisch oder gesund sein, bei einigen sogar ein Leben lang. Es könne aber auch sein, daß sich diese Phasen abwechseln, doch dies müsse man immer wieder neu überprüfen.Zu meiner Überraschung stellte ich fest, daß mir einigeFleischgerichte nicht nur schmeckten, sondern daß Fleisch mirund meinem Körper bisweilen sogar ausgesprochen gut tat. Als nächsten Schritt schlugen die Meister vor, durch einegezielte Nahrungsaufnahme willentlich meine Frequenz zu verändern und zu kontrollieren.

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Ich fand heraus, daß ich mir meine spirituelle Arbeit oft einfacher machen konnte, wenn ich Gemüse und Obst aß, denn das Channeln fiel mir dann leichter. Manchmal merkte ich jedoch nach Einzelsitzungen, daß ich zu „leicht“ geworden war und „wegflog“. Dann aß ich zur Erdung einfach etwas Fleisch, woraufhin ich zwar nicht mehr so selig lächelte, mich aber wieder so weit auf die Erde zurückholte, daß ich einigermaßen sicher für mich und andere Autofahren konnte. Auch wenn ich meine Buchführung erledigte und dabei sehr logisch vorgehen mußte, erdete ich mich vorher mit entsprechender Nahrung, um bei solchen weltlichen Aufgaben wirklich voll und konzentriert da zu sein. Inzwischen stehen mir auch noch andere Techniken zur Erdung und zum Leichterwerden zur Verfügung.

Eine fast noch größere Herausforderung als Fleisch zu essen, war es, Essen überhaupt zu genießen. Ich aß ausgesprochen ungern und meist auch lieblos, da ich es als störend und regelrechte Zeitverschwendung empfand. Dementsprechend gab es hauptsächlich Junk-Food, Imbiß-Essen und „Dosenfutter“ in allen möglichen Variationen. Eines meiner Lieblingsessen war, weil es so schnell ging, eine Dose Champignons, eine Dose Mais, zusammengemischt mit Sojasoße und Pfeffer – das war’s. Eine andere Variation waren fünf übereinander gestapelte, weiße, ungeröstete Toasts ohne Butter, dafür mit viel Nutella!

Ausgerechnet geistige Wesen brachten mir nun bei, Essen wieder als etwas Schönes und Gutes zu sehen. Sie konnten mich davon überzeugen, daß dies wirklich einer der Vorteile der dreidimensionalen Ebene ist, sogar eine Möglichkeit, um Genuß zu erleben.

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Nach einigen Jahren der Zusammenarbeit mit den Meistern konnte ich mir kaum mehr vorstellen, daß mir Essen eine Zeitlang so zuwider gewesen war. Mit der Zeit schmeckten mir auch Dinge, die ich früher nie gegessen oder getrunken hätte. Gut gemachtes Sushi ist jetzt etwas Herrliches. Und als Beilage dazu ein rohes Wachtelei. Das hätte ich früher unmöglich essen können, überall hätte ich Salmonellen gewittert. Jetzt war es exotisch, aber lecker. Ein schönes Stück Rinderfilet mit Pfeffersoße ist inzwischen eine Wonne. Bisweilen genieße ich einen Sherry vor dem Essen, und ganz allgemein habe ich es mittlerweile schätzen gelernt, zu den entsprechenden Anlässen einen guten Tropfen zu mir zu nehmen, wie zum Beispiel in den schottischen Highlands abends vor dem Kamin einen Whisky oder ein Glas Portwein.

Wenn die frühere Beate mir zugesehen hätte, wie ich im Flugzeug einen billigen Scotch Whisky zurückgehen ließ, um ihn gegen einen guten Single Malt Whisky eintauschen zu lassen, hätte sie wohl die Welt nicht mehr verstanden. Ich konnte es kaum fassen, daß man mir überhaupt so etwas anbieten konnte, zumal auf einem englischen Inlandflug. Früher wäre mir nicht einmal ein Unterschied zwischen den verschiedenen Whisky-Sorten aufgefallen. Delikatessen wie Kaviar, Lachs und Hummer sind kein Anlaß mehr für Depressionen oder Wutausbrüche über die Dekadenz der Menschen. Sie schmecken mir einfach – wenn sie gut zubereitet sind. Auch Junk-Food esse ich noch, aber nicht aus Zeitersparnis, sondern weil es mir manchmal einfach schmeckt.

Ohne den Humor von St. Germain hätte ich die „Fleischhürde“ wohl sehr viel schwerer genommen – wenn überhaupt. Ich glaube, er kam sowieso zu mir, um den Humor in mein Leben zu bringen. Und diese Aufgabe hat er hervorragend
gemeistert.

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In einem Seminar mit dem Titel „Liebe und Sexualität“ mußte ich zum Beispiel so sehr lachen, daß ich ihn ungefähr eine viertel Stunde einfach nicht mehr in meinen Körper bekam. Kaum daß sich seine Aura näherte und ich den darin enthaltenen Humor spürte, den er vorher mit den Teilnehmern geteilt hatte – und er kann wirklich außerordentlich witzig und bei diesem Thema auch sehr schamlos und dennoch charmant sein –, mußte ich wieder losprusten, was wiederum die Kursteilnehmer zum Lachen brachte. Ich habe selten ein so humorvolles Seminar erlebt.

Erfahrungen wie diese erinnern mich immer wieder daran, daß es auch bei allem ernsthaften spirituellen Bemühen immer darum geht, das Leben in vollen Zügen zu genießen und sich im Zweifel für den Humor zu entscheiden.“

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Kapitel 15 aus dem Buch im Original-Layout als PDF zum Ausdrucken

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