Warum nicht gleich ewig leben?

Von Beate Bock und Martin Rump

„Es gibt bereits 75jährige Amerikaner, die aussehen, als seien sie 45. Locker und freundlich lächelnd sitzen sie am Pool und erzählen von den diversen Hormoncocktails, Vitaminbeigaben und Nahrungsergänzungen und davon, wie sie den Tag mit viel Sport und ohne Zigarretten, Alkohol, Fleisch, Kaffee und Zucker verbringen. So kann in der Tat Lebensverlängerung funktionieren.

Wir sind jedoch davon überzeugt, dass es möglich ist, sein Leben deutlich zu verlängern, ohne auf Grillpartys, Kaffeekränzchen und sogar durchzechte Nächte zu verzichten. Ein medizinisch asketisches Leben ist dafür ebenso wenig erforderlich wie eine spirituelle Askese im Himalaya, wo es Yogis gibt, die erwiesenermaßen schon seit Jahrhunderten ein stilles und erfülltes Leben leben. Immerhin: Für die westliche Welt ist ein Anfang gemacht und das Thema Lebensverlängerung boomt.

Als einer der nächsten Schritte werden immer mehr Menschen nicht nur an Lebensverlängerung, sondern auch an Unsterblichkeit glauben und medizinische und geistige Techniken finden, um sie zu realisieren. Das liegt in der Logik des Gesamttrends, der auf die Überwindung aller angeblichen biologischen Begrenzungen hinausläuft. Für den Bereich Ernährung hat z.B. Jasmuheen den Beweis erbracht, dass es möglich ist, nur von „Luft und Licht“ zu leben.

Angesichts dieser Erkenntnis sind wir davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die auch den Tod überwunden haben und schon sehr, sehr lange mitten unter uns leben, auch hier in Berlin. Warum nur hört man nichts von ihnen, geben sie keine Kurse und treten nicht bei Biolek auf?

Natürlich haben sie ihre Gründe. Wer aussieht, wirkt und vital ist wie ein 35jähriger und z.B. beim Arbeitsamt einen Vorkriegsausweis vorlegte – und wir meinen den 1. Weltkrieg – würde sich wohl einige Schwierigkeiten einhandeln. Wenn er von einem dortigen Mitarbeiter nicht umgehend zum Amtsarzt geschickt wird oder er gar die Polizei wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung alarmiert mit der unangenehmen Variante einer psychiatrischen Untersuchung und es tatsächlich doch zu einem Vorstellungsgespräch kommt, hätte er wohl noch immer keinen Job. Den allermeisten Arbeitgebern wäre so etwas noch viel zu unheimlich.

Selbst wenn so jemand die Stelle bekäme: Ungläubige Blicke im Personalbüro und stirnrunzelnde Arbeitskollegen – denn so etwas geht herum wie ein Lauffeuer – würden das ihrige dazu beitragen, einem Langlebigen das Arbeitnehmerdasein zu verleiden. Auch der Neidfaktor ist nicht zu unterschätzen. Aus all diesen Gründen könnte es manchmal ziemlich einsam werden.

Wenn man selbständig ist, lebt es sich als Langlebiger zur Zeit noch leichter, denn dann kann man sich die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, in der Regel selbst aussuchen. Trotzdem kommt es noch oft zu Situationen, in denen jemand das Geburtsjahr mit dem Aussehen vergleicht. Sei es der Steuerberater oder der Betriebsprüfer, seien es Geschäftspartner oder die eigenen Angestellten, die es im günstigsten Fall cool fänden, wenn der Chef oder die Chefin aus faltenlosem Gesicht selbst erlebte Geschichten aus den 40ern oder 50ern erzählen würde.

Manchmal jedoch gäbe es kein Entrinnen. Kreditgespräche bei der Bank könnten nach Vorlage des Ausweises leicht ins Stocken geraten und für einige Langlebige wären Verkehrskontrollen eine eher unangenehme Erfahrung.

So ist es oft schlichte Notwendigkeit, die Langlebige dazu bewegt, lieber ihre Dokumente ihrem äußeren Alter „anzupassen“, als die Wahrheit zu sagen. Wobei sich die Zeiten gottseidank langsam ändern und inzwischen ein genetischer „Defekt“ oder die Praktizierung der 5 Tibeter glaubhaft genug sein mögen, um ein solches Alter plausibel erscheinen zu lassen.

Doch spätestens jenseits der 150 fängt ein neues Spiel an und man würde heutzutage wohl noch ernsthafte Probleme bekommen, falls man sich outen und sogar entsprechende Dokumente vorlegen würde.

Nun könnte man denken, dass auch Lichternährer an die Öffentlichkeit getreten sind, ohne dass ihnen Schlimmes widerfahren wäre. Sie wurden zwar eine Zeit lang in den Talkshows herumgereicht, aber es ist weißgott kein Aufschrei durch die Massen gegangen und auch Jasmuheen lebt und arbeitet mehr oder weniger unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied: Ob man sich von Pizza oder Prana ernährt, ist nicht so brisant wie die Frage, ob man lebt oder stirbt. Sterben will keiner und Angst vor dem Tod hat fast jeder!

 

So könnten Wissenschaftler nicht nur irritiert sein und neugierig werden, sondern auch auf die Idee kommen, jetzt nachhaltig mit praktischem Interesse nachzuforschen. Im günstigsten Fall würden sie bei einem Langlebigen höflich anfragen, ob er freiwillig bereit wäre, ein paar Tests über sich ergehen zu lassen, da er ja nicht nur leer etwas behauptet, sondern es wirklich praktisch beweist – wenn denn die Dokumente als echt anerkannt werden würden – und das doch „logisch“ erklärbar sein müsse und die Ursachen für Langlebigkeit sicherlich im Blutbild, in den Genen oder ähnlichem zu finden sein müssten. In jedem Fall würden Wissenschaftler und Reporter aller Couleur Langlebige nicht mehr in Frieden leben lassen.

Bei all diesen möglichen Unannehmlichkeiten ist es verständlich, wenn Langlebige noch unter sich und im Verborgenen leben.

Manche haben diese Probleme gelöst, indem sie z.B. in schöner Regelmäßigkeit glaubhaft gestorben sind. So wurde vielleicht ein Unfalltod fingiert, sie sind auf Reisen verschollen oder sie haben einen überzeugenden Abschiedsbrief hinterlassen und einen Selbstmord vorgetäuscht, wobei die Leiche nie gefunden wurde – der Phantasie waren und sind da keine Grenzen gesetzt. Anschließend tauchten sie an einem anderen Ort mit neuer Identität wieder auf. Sie werden gewissermaßen wiedergeboren, ohne zwischendurch zu sterben.

Dieses Versteckspiel ist sehr mühsam und wären wir unsterblich, würden wir mit Freude die Zeit erwarten, in der wir uns gefahrlos zu Erkennen geben könnten. Endlich würde der ganze Aufwand wegfallen, immer wieder Ausweise und Geburtsurkunden nachzumachen, sich neue Geschichten auszudenken, die Geheimhaltung sicher zu stellen usw., usw. Stattdessen könnten wir uns interessanteren Dingen zuwenden, unsere Erfahrungen mit „Sterblichen“ teilen und auch andere in gewisse Techniken einweihen.

 

Zugegeben: Bislang liest sich der Artikel, als hätten wir zu viel Highlander gesehen. Doch es gibt einiges im Leben eines Unsterblichen, was noch nicht verfilmt wurde, und jetzt wird es richtig spannend und wir lassen die eine und andere gechannelte Information einfließen.

 

Wie gesagt leben auch bei uns hier in Berlin Langlebige, die dieses Spielchen seit 200, 300 und noch mehr Jahren betreiben, wobei der Übergang zur Unsterblichkeit fließend ist. Wer die gängigen Glaubensmuster, wie lange ein menschlicher Körper angeblich leben kann, nachhaltig durchbricht, dem sind an sich keinerlei (!!!) Grenzen mehr gesetzt, und zwar in vielerlei Hinsicht.

 

So haben Unsterbliche u.a. die Möglichkeit willentlich den Alterungsprozess zu beschleunigen, um dann z.B. schnell vor eingeweihten Zeugen zu „sterben“, um aus ihrem alten Leben zu verschwinden. Dann wird der Körper je nach Wunsch und Bedarf wieder verjüngt und ggf. verändert und ein neues Leben kann beginnen

Wer seine „Wiedergeburt“ in dieser oder einer der anderen genannten Formen einige Male inszeniert hat, hat damit auch eines der größten Probleme gelöst: Sich immer wieder von geliebten Menschen zu verabschieden. Die allermeisten würden es noch nicht ertragen, den Partner, die Kinder und Freunde altern und sterben zu sehen, und zwar immer wieder, Ehe auf Ehe, Elternschaft auf Elternschaft, Freundschaft auf Freundschaft.

Es scheint einfacher zu sein mit der Masse mitzugehen und sich – natürlich unbewußt – auf das „Todesspiel“ einzulassen und immer wieder aufs Neue die Illusion des Todes zu pflegen. Es ist kein logisches Spiel, denn auch in ihm gibt es den Moment des Abschied-Nehmens und der Trennung, mit dem Unterschied, dass er zwangsläufig und unbewußt erfolgt.

Abgesehen davon halten wir es einfach für umständlich, immer wieder Zähne zu bekommen, zur Schule zu gehen, das ABC zu lernen, das Pubertätschaos zu überstehen, nur um sich dann einige gedrängte Jahrzehnte weiterzuentwickeln, bis man sich schon wieder auf den Ruhestand vorbereitet und seinen Nachlaß regelt. Meine Güte, welche Zeitverschwendung

Unsterbliche lassen sich nicht vom Glaubenssystem der Masse beeindrucken. Sie wissen – und wir meinen wirkliches Wissen und nicht „gerne glauben wollen“, „irgendwie vermuten“ oder solches behaupten, weil es gerade ins schicke esoterische Weltbild passt -, dass es nach dem Tod des physischen Körpers so oder so in der einen oder anderen Welt nahtlos weiter gehen würde. Sie haben die Illusion des Todes vollständig durchschaut und wissen, daß man sich den Umweg über den Tod eigentlich schenken kann und dass es in Wahrheit keine Trennung gibt und man sich sowieso irgendwann irgendwo wieder über den Weg läuft.

So „kleben“ Unsterbliche auch nicht mit sogenannten negativen Emotionen an anderen Menschen. Dass ein 600jähriger noch wütend oder verletzt ist wegen eines Ehepartners aus dem Mittelalter, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber wenig wahrscheinlich. Wer so nachtragend ist, wird dem Ehepartner über kurz oder lang in den Tod folgen müssen, da er ein paar Gesetzmäßigkeiten doch noch nicht vollständig verstanden hat. Oder er wird ihm wie gesagt in der einen oder anderen Form wieder über den Weg laufen, um seine Emotionen mit ihm zu klären.

 

Wer sich auf diesen manchmal unbequemen, aber immer interessanten und lustvollen Weg begibt und z.B. wissen will, wie sich ein Unsterblicher ganz praktisch gegenüber Menschen verhalten würde, dem sei das Kapitel „Partnerschaft“ aus Beate Bocks Buch Aufbruch in das Neue Jahrtausend ans Herz gelegt.

 

Unsterbliche verplempern oder vertrödeln die Zeit nicht, sondern sie nutzen sie, und zwar je nach Vorlieben und Charakter auf die unterschiedlichste Weise. Manche fangen mit 150 Jahren an, Klavierstunden zu nehmen und bringen es locker zur Konzertreife, denn sie haben ja Zeit. Die meisten sind neugierig auf andere Kulturen, lernen deren Sprachen und sind interessiert an der Vielfalt auf der Erde.

Überhaupt zeichnet dies viele Unsterbliche aus: Sie lernen und lernen, ohne dabei gestresst zu sein. Sie haben Spaß daran und wirken, als wären sie gerade mitten im Urlaub. Sie machen sich ihr Leben einfach schön, und zwar jeder so, wie es ihm gerade gefällt und entspricht. Sonst hätte es auch wenig Sinn hier lange leben zu wollen! Solch ein Leben will natürlich finanziert werden, deshalb kennen sich viele mit Geld und dem Finanzsystem gut aus, so dass sie immer die Mittel haben um das zu tun, was ihnen Spaß macht.

Bei all dem sind Unsterbliche nicht verhaftet mit Häusern, Autos, Geld, Besitz im Allgemeinen, mit Städten, Ländern und Kulturen, mit Gewohnheiten und Vorlieben. Sie sind bereit, im Zweifel jederzeit alles wieder loszulassen.

Für einen Unsterblichen ändert sich die Qualität der Zeit. So paradox es klingt: Ein Unsterblicher hat entweder überhaupt keine Zeit für gewisse Dinge oder aber alle Zeit der Welt. Es gibt nichts mehr dazwischen. Er würde sich mit uns nur zum Kaffee verabreden, wenn es ihm wirklich Spaß machen oder es ihm sonst irgendwie etwas bringen würde. Wenn dies nicht der Fall ist, gibt es einfach kein Treffen. Wenn wir aber mit einem oder einer Unsterblichen am Tisch sitzen würden, wäre er oder sie mit der ganzen Aufmerksamkeit bei uns.

Unsterbliche machen sich ihre Gedanken, aber bestimmt keine Sorgen um das Morgen – oder das Gestern. Sie leben im Hier und Jetzt und setzen dadurch die Zeit außer Kraft. Sie sind keine Opfer der Zeit, sondern nutzen sie für sich. So ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, um durch die Zeit zu reisen. Und da Zeit und Raum zwei Seiten derselben Medaille sind, liegt u.a. auch Teleportation auf diesem Weg.

Wer ewig leben will, begibt sich also auf eine abenteuerliche Reise, auf der es immer neue Überraschungen gibt. Aber die muss er schon selbst erfahren, sonst wären es ja keine Überraschungen mehr …“

Weitere Informationen

Hier herunterladen: Original-Zeitschriftenartikel „Warum nicht gleich ewig leben“ im PDF-Format, erschienen in der „SEIN„, Berlin, Ausgabe Oktober 2001. Wenn Sie mehr über diese esoterische Zeitschrift erfahren möchten, klicken Sie hier: www.sein.de.

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